Freitag, 10. August 2012

DNP-Auflösungserklärung

DNP
*01.01.2011 – †10.08.2012

Es geschah zu Beginn des Jahres 2011, als ich mich dazu berufen fühlte die deutsche Zeitungs- und Zeitschriftenbranche zu attackieren. Weichgespült vom Boulevardjournalismus der Springer Publikationen, vertretend durch die Bild-Zeitung, mit einhergehendem Arrangement der Alice Schwarzer im Fall Kachelmann, brachten für mich das Fass endgültig zum Überlaufen. Was zunächst in der Idee wurzelte ein Männermagazin zu publizieren und einen Gegenspieler zu Alice Schwarzer darzustellen, entwickelte sich kurze Zeit später als studentisches Politmagazin. Inspiriert durch die Härte und Kompromisslosigkeit der Larry Flynt Publications (LFP), diente mir mein publizistische Vorbild zur Adaption bei der Namenswahl meines Magazins. DNP wurde geboren.

Heute, 20.Monate später, wird das Projekt DNP beendet.

Angetreten sind wir mit dem Ziel eine freie und unabhängige Presseberichterstattung zu gewährleisten. Die Leidenschaft für Print-Publikationen brachte einen kleinen Kreis von Schreibern zusammen, die ihre Vision vom ewig-lebenden Untergrundmagazin wahr werden lassen wollten. Gleichermaßen wollten wir unsere Leitmotive ehrlich-direkt-polarisierend nach bestem Gewissen vertreten. Das gelang an manchen Stellen gut, an anderen weniger.

Die Anfänge
Mit wöchentlichen Blogbeiträgen zum politischen Geschehen, äußerte sich das Redakteursteam sehr kritisch gegenüber dem Arrangement zwischen Alice Schwarzer und der Bild-Zeitung, man sprach sich gegen ein NPD-Verbotsverfahren aus und rechtfertigte Panzer-Lieferungen (Leopard 2) nach Saudi Arabien. Das alles geschah nicht mit der Absicht vorgefertigte Ideologien zu repräsentieren und ein politisches Spektrum zu vertreten, sondern für ein breit gefächertes und polarisierendes Meinungsspektrum, abseits des Mainstreams, zu sorgen und einzutreten. DNP konnte sich zu keinem Zeitpunkt darauf berufen erstklassige Journalisten in das Team zu holen und zu bezahlen. Der ideologische Wert unserer Beiträge war bei weitem wichtiger als ein journalistisch einwandfreier Text – viele haben das leider in ihrer Beurteilung nicht gesehen. Die Rechenschaft über geschriebene Inhalte, waren sich die Redakteuere selbst schuldig. Das betrifft sowohl die freie Themenauswahl, als auch die Art der Darstellung. Weg von redaktionellen Leitsätzen, gab es nur drei Fragmente, die in jedem Artikel wiederzuerkennen sein sollten: ehrlich-direkt-polarisierend.

Das erste Heft
Im Mai 2011 folgte dann die erste Print-Publikation (Der Kampf um die Meinungsfreiheit – von Larry Flynt bis Julian Assange) mit einer Auflage von 100 Exemplaren. Schnell wurde die erste Ausgabe zum Kultobjekt. Nicht zuletzt wegen der Schwarzer-Debatte im Zusammenhang mit der Kachelmann-Affäre, schaffte DNP den Durchbruch. In diesem Artikel spiegelte sich genau das wieder, wofür DNP stehen wollte. Sich selbst gegenüber ehrlich zu sein und den Text an die Grenzen des erträglichen zu formulieren. Die erste Erleichterung setzte ein. Doch in den darauf folgenden Monaten klaffte immer wieder eine große Spanne zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Bis dahin war DNP ein geerdetes Magazin, jenseits von Verpflichtungen und gesellschaftlichen Normen. Doch der zunehmende Druck von außen und die große Erwartungshaltung was das zweite Heft betraf, schienen zu groß zu sein. Die Messlatte die wir uns selbst auferlegt hatten, schien nicht mehr zu überspringen zu sein.

Der zweite Anlauf
Kurz bevor DNP in sich implodierte, kam neue Unterstützung von außen. Der Blog kam wieder ins Rollen und erreichte über ein halbes Jahr lang 900 Seitenaufrufe pro Monat. Die Signale wurden von allen vernommen und schon bald formierte sich ein neues Team, auch mit altbekannten Gesichtern, das im Mai 2012 die zweite Print-Ausgabe (Die Afghanistan-Lüge) der DNP veröffentlichte. Das Feedback hielt sich in Grenzen, genauso wie die Verkaufszahlen. Spätestens jetzt wurde klar, dass der zeitliche Aufwand und die Begeisterung nicht mehr ausreichen würden, um das Magazin professioneller zu führen und es auf die nächste Ebene zu heben. Und das Projekt noch weiter künstlich am Leben zu erhalten, wäre unserer nicht würdig gewesen. Deshalb halten wir es lieber getreu nach Kurt Cobain: It's better to burn out than to fade away.
Deutschlands erstes und einziges Polit-Untergrundmagazin ist Geschichte.

Was bleibt?
Neben einigen noch nicht verkauften Heften wird von DNP wohl wenig, außer der Gewissheit übrig bleiben, dass die ideellen Werte von DNP immer im Vordergrund standen und diese auch gleichzeitig ein Band zwischen allen Beteiligten geschmiedet haben. Die Erfahrung die uns durch dieses Heft eint, kann uns niemand mehr nehmen. Vielleicht wird man sich in 10. oder 20. Jahren das Heft hervorholen und demütig, aber mit einem leichten lächeln, an diese Zeit zurückdenken.

Nachwort
Ich möchte allen Danken, die aktiv bei DNP mitgewirkt und publiziert haben. Auch allen Unterstützern, sei es finanziell oder ideell, möchte ich meinen Respekt aussprechen. Ihr habt DNP erst so weit getragen und zu dem gemacht was es war.

Zum Schluss möchte ich noch einigen Wegbegleitern speziell danken.
Noch bevor das erste DNP Heft fertig gedruckt war, gab mir das studentische hsf-Radio die Chance Werbung für mein Magazin zu machen. Dabei lernte ich Aaron Thieme kennen, der seit diesem Interview beim ISWI Talk ein wertvoller Input für DNP geworden ist.
Benjamin Schaller, den ich durch das Studium kennenlernte, war von der ersten Stunde an dabei und war, nicht zuletzt durch seine wertvollen und regelmäßigen Beiträge, ein konstanter Eckpfeiler bei DNP.
Ebenfalls danken möchte ich Nino Zebiri. Trotz der geographischen Entfernung hatte ich nie bedenken, dass ich mich auf Dich und Deine qualitativ sehr guten Auslandsbeiträge, verlassen kann.
Danke für Eure Hingabe und Freundschaft!

Venceremos!
Denny Neidhardt

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